Seit mehreren Jahren begleite ich Copenhagen Atomics als Investor und Mitglied des Aufsichtsrates. In den vergangenen drei Jahren hat sich dort mehr entwickelt als in den vielen Jahren davor. Aus einer überzeugenden Idee wird Schritt für Schritt ein industrielles Produkt.
Entscheidend ist, was praktisch funktioniert
Copenhagen Atomics hat inzwischen zwei Reaktorprototypen in Originalgröße ohne Kernspaltung gebaut und arbeitet am dritten. Eine Salzpumpe mit einem vollständigen Testkreislauf lief zwei Jahre ohne Unterbrechung. Insgesamt wurden mehr als 100.000 Betriebsstunden mit verschiedenen Pumpen gesammelt.
Auch bei der Korrosion, die immer wieder als grundsätzliches Problem von Flüssigsalzreaktoren genannt wird, gibt es wichtige Fortschritte. Eine gemeinsame Untersuchung mit der Universität Liverpool zeigt: Entscheidend ist die Reinheit der Salze. Mit hochreinen Salzen kann die Korrosion erheblich begrenzt werden.
Copenhagen Atomics entwickelt und produziert Pumpen, Salze, Sensoren, Steuerungen und Versuchsanlagen weitgehend selbst. Diese Produkte werden bereits an Forschungsinstitute und Industriepartner geliefert. Das unterscheidet Copenhagen Atomics von vielen Unternehmen, die bisher vor allem Konzepte, Berechnungen und Präsentationen vorweisen können.
Der nächste Schritt: Experimentelle Erprobung des Reaktorkonzepts in der Schweiz
Der wichtigste Meilenstein war 2024 die Vereinbarung mit dem Paul Scherrer Institut in der Schweiz. Im Projekt BALDER soll das Reaktorkonzept erstmals unter nuklearen Bedingungen experimentell erprobt werden. Die erste Kettenreaktion ist für 2028 vorgesehen.
Das wird der entscheidende Test. Pumpen, Salze, Werkstoffe und Steuerungen funktionieren bereits. Nun muss bewiesen werden, dass alles auch als vollständiger Reaktor zusammenarbeitet.
Das Ziel ist ein fabrikgefertigter Thorium-Flüssigsalzreaktor mit 100 MW thermischer Leistung. Langfristig soll er nicht nur sichere, CO₂-arme und kostengünstige Energie erzeugen, sondern auch Plutonium und andere langlebige Bestandteile vorhandener Brennelemente nutzen können.
Mein persönliches Engagement
Auch mein eigenes Engagement für eine vernünftige Energiepolitik hat sich in den vergangenen drei Jahren verstärkt. Ich bin inzwischen Mitglied bei 4Pi Solutions und Global Energy Solutions. Außerdem empfehle ich die auf YouTube veröffentlichten „Energiegespräche“ von Eduard Heindl. Sie behandeln die entscheidenden Fragen unseres Energiesystems sachlich, verständlich und technologieoffen.
Für mich ist klar: Deutschland und Europa brauchen eine Energiewende, die Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbindet. Wind und Sonne können dazu beitragen. Allein können sie jedoch keine sichere und bezahlbare Energieversorgung gewährleisten.
Ohne Kernenergie werden Deutschland und Europa abhängiger, teurer und wirtschaftlich schwächer. Mit moderner Kernenergie können wir Energie wieder zuverlässig, ressourcenschonend und bezahlbar erzeugen.
Die Entwicklung von Copenhagen Atomics zeigt mir: Technischer Fortschritt ist möglich, wenn wir nicht von Angst und Ideologie ausgehen, sondern von Wissenschaft, Vernunft und unternehmerischem Mut.
Ich bleibe zuversichtlich.
Ihr Wilfried Hahn
PS: Foto Copenhagen Atomics



