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Denkwerkstatt

Auf der Aare – eine Reise durch die Energiegeschichte der Schweiz

Ein wundervoller Tag. Ich verbrachte eine Wanderwoche in Biel mit dem Rotary Club Winterthur. Nach einigen Tagen zu Fuß wechselten wir die Perspektive: Wir fuhren dann mit dem Schiff von Biel nach Solothurn auf der Aare.

Die Sonne schien, das Wasser glitzerte, die Landschaft zog langsam an uns vorbei. Und während ich auf die Aare schaue, denke ich darüber nach, welche Bedeutung dieser Fluss für die Entwicklung der Schweiz hatte.

Mehr als schöne Landschaft

Über Jahrhunderte war die Aare weit mehr als eine schöne Landschaft. Sie war Verkehrsweg und Energiequelle. Ihr Wasser trieb Mühlen und Sägewerke an, später erzeugten Wasserkraftwerke Elektrizität. Für ein Land ohne bedeutende eigene Kohlevorkommen wurde die Wasserkraft zu einem wichtigen Standortvorteil.

Die Schweiz verstand es, aus einer natürlichen Ressource mit Technik, Wissen und Unternehmergeist Wohlstand zu schaffen.

Später kam eine weitere Energiequelle hinzu: die Kernenergie. Mit Beznau (auf dem Foto zu sehen) und Gösgen befinden sich bedeutende Schweizer Kernkraftwerke im Aare-System. Wasserkraft und Kernenergie wurden gemeinsam zu wichtigen Säulen einer zuverlässigen und CO₂-armen Stromversorgung.

Wenn Sie heute gemütlich auf der Aare Richtung Solothurn fahren, lässt sich daran eine erstaunlich aktuelle Frage knüpfen:

Woher kommt unser Wohlstand eigentlich?

Eine wesentliche Antwort lautet: aus unserer Fähigkeit, Energie immer besser nutzbar zu machen.

Vom Mühlrad zur Wasserturbine. Von der Wasserkraft zur Kernspaltung. Und vielleicht führt der nächste Schritt zu kleinen, fabrikgefertigten Reaktoren, Flüssigsalzreaktoren und zur Nutzung von Thorium.

Copenhagen Atomics versucht genau diesen Technologiesprung hinzubekommen: Kernenergie soll nicht mehr vor allem ein individuelles Großprojekt sein, sondern zu einem standardisierten Industrieprodukt werden. Ob dies im industriellen Maßstab gelingt, muss noch bewiesen werden. Aber die Idee verdient die Chance, es zu versuchen.

Denn künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Robotik und eine moderne Industrie werden nicht weniger, sondern mehr Elektrizität benötigen.

Energie ist die Grundlage unserer Zivilisation

Während unser Schiff von Biel nach Solothurn fuhr, erinnerte mich die Aare deshalb an einen einfachen Zusammenhang:

Energie ist nicht das Problem unserer Zivilisation. Verfügbare Energie ist eine ihrer Grundlagen. Fortschritt bedeutet, sie immer sicherer, sauberer, zuverlässiger und preiswerter bereitzustellen.

Die Aare hat dazu über Jahrhunderte beigetragen.

Vielleicht beginnt gerade das nächste Kapitel dieser Geschichte.

Ihr Wilfried Hahn

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