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Aufklärung, Energiewende, Kernenergie, Technologie, Zukunft

Warum Tschernobyl für moderne Kernenergie spricht

Am 26. April 1986 jährte sich der Reaktorunfall von Tschernobyl zum 40. Male. In der Berichterstattung in den Medien war von den Gefahren und den Folgen bis heute die Rede. Von der Unsicherheit, die damals die Menschen empfanden, und an die ich mich auch noch gut erinnern kann. Davon, dass Tschernobyl eine Mahnung war, die nur einen Schluss zulässt: Ob als Waffe oder auch zivil als Energiequelle genutzt: Kernenergie ist grundsätzlich abzulehnen.

Eine Mahnung, die ich, was die Nutzung der Atomkraft als Waffe angeht, unbedingt unterschreibe. Tschernobyl als ein Reaktor, in dem waffenfähiges Plutonium hergestellt werden konnte, ist ein Fanal gegen Kernwaffen. 

Aber mit Blick auf die zivile Nutzung bin ich gänzlich anderer Auffassung.

Waffenfähiges Plutonium – nein danke!

Die Bauzeit des Kernkraftwerks von Tschernobyl betrug 13 Jahre (1970 bis 1983), der erste Reaktorblock ging schon 1978 in Betrieb. Erst im Jahr 2000 wurde der letzte verbliebene Block abgeschaltet. 

Auch nach der Explosion des Reaktors des Blocks 4 am 26. April 1986, die zur Nuklearkatastrophe von Tschernobyl führte, blieben die Blöcke 1 bis 3 im Betrieb. 

Und in dieser ganzen Zeit galt: Die im Kernkraftwerk aktiven Reaktoren sind geeignet, Waffenplutonium zu erzeugen, das auch im laufenden Betrieb entnommen werden konnte.

Wenn wir über die Frage debattieren, ob wir in Deutschland wieder auf die Kernenergie zur Energieerzeugung setzen sollten, nicht nur, aber als sinnvoller Teil eines Energiemixes, dann ist der Aspekt der Eignung eines Reaktors für die Produktion von Waffen unbedingt zu beachten. 

Nur die zivile Nutzung der Kernenergie darf möglich sein. Das ist ein deutliches Zeichen, das Tschernobyl setzt. Und für diese zivile Nutzung sprechen auch nach (und auch wegen) Tschernobyl gute Argumente.

Radioaktivität ist natürlich

Zum einen ist es so, dass Radioaktivität kein künstliches Phänomen ist, sondern ein fester Bestandteil unserer Umwelt. Wir alle sind ihr täglich ausgesetzt – seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Ein paar Zahlen:

Wir leben seit jeher in einer Welt voller natürlicher Strahlung:

Jeder Mensch in Deutschland erhält jährlich rund 2 mSv natürliche Dosis – durch Radon, Gestein, Nahrung.

Ein Interkontinentalflug bringt etwa 0,1 mSv, und wir akzeptieren das klaglos.

30 Jahre Leben nahe eines Kernkraftwerks führen zu weniger als 1 mSv Zusatzdosis, also weniger als eine CT-Untersuchung.

Wenn wir Kernenergie generell ablehnen, dann dürften wir konsequenterweise auch nicht zum Röntgen gehen oder in den Schwarzwald fahren, in den Alpen leben.

Zudem scheint, wie neuere Forschungen zeigen, ein völliger Mangel an Strahlung – ähnlich wie eine keimfreie Umgebung – dem Menschen eher zu schaden als zu nützen. Ohne Reize verkümmert das Immunsystem. Kleine Dosen hingegen trainieren Schutz- und Reparaturmechanismen.

Kernenergie ist sicher

Zum anderen ist die bisherige Nutzung der Kernenergie statistisch gesehen eine der sichersten Formen der Energieerzeugung. 

Und insofern spricht Tschernobyl für mich für moderne Kernenergie: 

Tschernobyl war ein schwerer Unfall, bei dem nahezu alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen konnte. Es wurden keine weiteren Reaktoren dieses Typs gebaut. 

Die Analyse dessen, was alles katastrophal falschgelaufen ist, hat die Entwicklungen moderner Reaktoren weitergebracht.

Schon modernere Reaktoren der Generation III und III+ sind so um ein Vielfaches sicherer, so dass sie nach meiner Einschätzung der verfügbaren Daten kein relevantes Gesundheitsrisiko darstellen und helfen könnten, unsere Energiekrise zu bewältigen. 

Reaktoren der Generation IV sind technisch sogar noch weiter. Ein Reaktortyp wie ein Thorium-Salzschmelzereaktor kommt ohne Druck aus, so dass eine Kernschmelze (auch bei einem Unfall oder einem Anschlag) ausgeschlossen ist. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Großteil des bisher als Atommüll geltenden Materials (Plutonium, Uran-238, Transurane) in diesen modernen Reaktoren als Brennstoff genutzt werden kann. Was bleibt, sind fast nur noch Spaltprodukte mit kurzer Halbwertszeit.

Zudem kann ein Thorium-Salzschmelzereaktor nicht für die Gewinnung von waffenfähigem Plutonium genutzt werden. Für mich ein ganz wichtiger Punkt.

Alles, wie ich finde, sehr gute Argumente, Kernenergie anders zu bewerten und sie als eine natürliche Ressource zu sehen, mit der wir verantwortungsvoll, d.h. sie vernünftig und friedlich nutzend, umgehen sollten.

Wilfried Hahn

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