Techniken und neue Werkzeuge, die den Menschen, die damit arbeiten, diese Arbeit erleichtern, die sie gestalten lassen, haben mich schon von Kind an begeistert. Das wird Sie, wenn Sie meine Vita ein wenig kennen und das Umfeld, in dem ich groß geworden bin, nicht erstaunen. Und so bin ich von den neuen Werkzeugen, die uns die Digitalisierung an die Hand gibt, begeistert.
Wissen ist heute kein knappes Gut mehr, sondern jederzeit verfügbar. Bücher aus aller Welt landen in Sekunden auf meinem Tablet. Vorträge, Diskussionen und Analysen erreiche ich per Newsletter. Podcast oder Video – unabhängig von Ort, Öffnungszeiten oder Institutionen. Lernen ist nicht mehr an Räume gebunden, sondern an Neugier. Diese Freiheit ist kein Lifestyle-Extra, sie ist ein Produktivitätsgewinn.
Auch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz betrachte ich mit großem Interesse. KI eröffnet Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klangen: schnellere Analyse, bessere Entscheidungen, neue Geschäftsmodelle.
Doch bei aller Begeisterung möchte ich die Risiken nicht ignorieren: KI halluziniert, erzeugt scheinbar plausible, aber falsche Informationen. Sie ermöglicht Manipulationen in bisher unbekanntem Ausmaß – täuschend echte Videos, gefälschte Dokumente, gezielte Desinformation. Menschliches Urteilsvermögen bleibt unverzichtbar.
Aber all die Debatten über die Kehrseiten der KI – so wichtig sie sind – blenden eine entscheidende Frage aus: Wovon soll dieses System eigentlich leben?
Energie ist kein Nebenschauplatz, sondern das Fundament
Die Antwort ist politisch unbequem: von günstiger, verlässlicher, jederzeit verfügbarer Energie. Ohne sie bleibt jede Zukunftsvision ein Konzeptpapier.
KI, Rechenzentren, Automatisierung, Robotik – all das ist extrem energieintensiv. Nicht im abstrakten Sinn, sondern physikalisch real. Ein einziges großes Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie eine mittlere Stadt. Die Vorstellung, man könne Hochtechnologie dauerhaft mit wetterabhängigen Energiequellen betreiben, ignoriert die physikalische Realität.
Deutschland hat sich entschieden, genau diesen Realitätscheck zu vermeiden. Das Ergebnis erleben wir täglich: explodierende Systemkosten, instabile Netze, Industrieabwanderung. Die politische Diskussion kreist um Symptome statt um Ursachen.
Nicht KI vernichtet Arbeitsplätze. Teure Energie zerstört Standorte. KI beschleunigt diesen Prozess lediglich, weil Unternehmen dort investieren, wo Strom verfügbar, planbar und bezahlbar ist.
Ein Standort ist keine moralische Frage, sondern eine Kostenrechnung: Energiepreis, Versorgungssicherheit, Genehmigungsdauer, regulatorisches Risiko.
Kernenergie als Infrastruktur, nicht als Ideologie
In Deutschland fällt diese Rechnung immer häufiger negativ aus. Nicht, weil uns Ideen fehlen. Sondern weil wir uns ein politisches System geschaffen haben, das Ideologie höher bewertet als Funktionalität.
Man kann das „Transformation“ nennen. In der Realität ist es oft De-Industrialisierung mit gutem Gewissen.
Aber: Wer ernsthaft über KI-getriebene Produktivität, über industrielle Wettbewerbsfähigkeit und soziale Stabilität sprechen will, kommt an der Kernenergie nicht vorbei.
Wir brauchen, so meine Überzeugung und mein Appell, in Deutschland mehr Pragmatismus statt noch mehr Moralismus. Moralismus führt uns weiter in eine Sackgasse. Wir können es uns nicht leisten, in ideologischen Grabenkämpfen zu verharren. Statt uns auf Bürokratie und Symbolpolitik zu fokussieren, sollten wir unsere Stärken nutzen: Bildung, Ingenieurskunst, Unternehmertum. Wir brauchen eine neue Gründerkultur, ein Bildungssystem, das KI früh integriert, und eine Politik, die Innovation ermöglicht statt sie zu verhindern.
Meine Überzeugung ist einfach – und vielleicht gerade deshalb unbequem: Die Zukunft entscheidet sich nicht bei der KI. Sie entscheidet sich beim Strompreis. Wer das versteht, versteht auch, warum Kernenergie keine Nebendebatte ist. Sie ist der Schlüssel, damit technischer Fortschritt zu Wohlstand führt – und nicht zu sozialem und industriellem Rückbau.
Wettbewerbsfähigkeit ist kein Gefühl. Sie ist eine Rechnung. Und diese Rechnung müssen wir endlich ehrlich aufstellen.
Wilfried Hahn

