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Aufklärung, Energiewende, Kernenergie, Zukunft

Eine Wende in der Energiewende – Aufklärung als Werkzeugkasten

Heute möchte ich Ihnen gerne von einer Nachricht erzählen, die ich auf einen meiner Beiträge auf LinkedIn hin erhielt. 

Als Nachklang meiner Frankreichreise im letzten Sommer hatte ich einen Post verfasst, bei dem ich – angeregt durch den französischen Philosophen Michel Foucault – mir Gedanken über die Art und Weise machte, wie in Politik und Gesellschaft über die Energiewende gesprochen wird.

Und ein Leser (vielen Dank auch noch an dieser Stelle!) schickte mir daraufhin ein Zitat von Foucault, das mich sehr ansprach. 

Dieses Zitat möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, weil es mir zeigt, was wir in der aktuellen Debatte zur Energiewende immer noch zu wenig erleben: wie mit dem wirksamsten Werkzeug der Aufklärung, unserer Vernunft, die ideologische und damit machtgetriebene Debatte über die Energiewende ausgehebelt wird.

Werkzeuge, um Machtsysteme kurzzuschließen

Foucault schrieb: „Alle meine Bücher […] sind, wenn Sie so wollen, kleine Werkzeugkisten. Wenn die Leute sie aufmachen wollen und diesen oder jenen Satz, diese oder jene Idee oder Analyse als Schraubendreher verwenden, um die Machtsysteme kurzzuschließen, zu demontieren oder zu sprengen, einschließlich vielleicht derjenigen Machtsysteme, aus denen diese meine Bücher hervorgegangen sind – nun gut, umso besser.“ (in: Foucault, Michel: Mikrophysik der Macht.)

Als ein Unternehmer, der sein Leben lang Werkzeuge gebaut hat, hat mich dieses Bild natürlich sofort angesprochen. Aufklärung nicht als Dogma, sondern als Instrument. Nicht als moralische Überlegenheit, sondern als praktische Hilfe zur Selbstbefreiung.

Und ich denke, dass uns eine solche Befreiung guttun würde, um auf sicheren Beinen in die Zukunft zu gehen. 

Eben weil bei wichtigen Fragen viel zu oft die Moralkeule geschwungen wird. 

Weil nicht vernünftig über das Für und Wider debattiert wird, sondern Machtspielchen eine viel zu große Rolle spielen.

Warum Transformation Aufklärung braucht

Foucault erinnerte mich daran, dass Fortschritt nicht nur eine technische, sondern auch eine Frage des Wissens ist. Homo faber und Homo sapiens gehen Hand in Hand, um Fortschritt zu ermöglichen. 

Und somit stellt sich immer auch die Frage, inwiefern wir als Homo sapiens so denken und so glauben, wie wir denken und glauben. Wie entsteht das Wissen, auf dem wir unsere Entscheidungen aufbauen? Wer spricht mit Autorität – und warum? Wer darf Zweifel äußern, ohne diskreditiert zu werden?

Für jede strategische Weichenstellung sind das entscheidende Fragen. Fortschritt entsteht nicht durch Bekenntnisse, sondern durch Prüfung. Nicht durch moralische Eindeutigkeit, sondern durch vernünftiges Hinterfragen und einen Wettbewerb der Argumente und Ideen, in dem sich die besten durchsetzen sollten – nicht die, die aufgrund von Ideologie gewollt sind.

Foucault zeigte, dass „Wahrheit“, „Normalität“ oder „Wissenschaftlichkeit“ nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern in Institutionen, Diskursen und Interessenlagen. Es stecken Absichten, Interessen, Machtspielchen dahinter. Wahr ist nicht wahr, weil es wahr ist, sondern weil es wahr sein soll.

Diese Einsicht ist unbequem. Aber sie ist befreiend. Auch mit Blick auf die Energiewende.

Fortschritt braucht Mut zur Vernunft

Denn in der Energiewende erleben wir genau das. Das Narrativ der Alternativlosigkeit ersetzte die offene Debatte. Wind und Sonne galten und gelten als moralisch gut. Technologische Vielfalt, Kernenergie oder auch nur nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnungen wurden und werden als verdächtig markiert. Die Frage ist nicht mehr: Stimmt das? Sondern: Darf man das sagen?

Für mich als Unternehmer ist das ein Warnsignal. Denn Innovation entsteht immer dort, wo bestehende Gewissheiten hinterfragt werden dürfen. Wo Ingenieure rechnen, statt zu bekennen. Wo Physik und Ökonomie stärker zählen als Symbolpolitik. Eine Energiewende, die Aufklärung fürchtet, wird am Ende weder nachhaltig noch erfolgreich sein.

Wenn wir also Foucault ernst nehmen, dann nicht als Kronzeugen für die eigene Meinung, sondern als Werkzeug. Als Schraubendreher, um festgefahrene Debatten zu lösen. Als den Hebel, der uns zum Beispiel auch hilft, mittels unserer Vernunft eine Wende in der Energiewende herbeizuführen. 

Wilfried Hahn

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