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Über den Tellerrand schauen sorgt für Entwicklung

In Taiwan wurde in den Achtziger Jahren beim Bau von 180 Häusern versehentlich Stahl verbaut, der mit radioaktivem Cobalt-60 kontaminiert war. 

22 Jahren lang wurden 10.000 Menschen in den Häusern der Strahlung ausgesetzt. Die durchschnittliche Dosis im ersten Jahr war 49 Millisievert (mSv), maximal 600 mSv, die durchschnittliche Dosis über 20 Jahre war 400 mSv und maximal 4.000 mSv. 

Nach der LNT-Theorie (= „Linear-No-Threshold-Modell“, also „Linear ohne Schwellenwert“, mehr dazu hier …, die besagt, dass radioaktive Strahlung egal in welcher Dosis als per se schädlich und gefährlich zu definieren ist, hätte die Zahl der Krebserkrankungen in dieser Gruppe über dem Durchschnitt der allgemeinen Bevölkerung liegen müssen. Doch das Gegenteil trat ein: Statt der erwarteten 232 Fälle traten nur sieben auf. 

Dieses überraschende Ergebnis zeigt, wie wichtig es ist, über das Erwartete hinaus nach Wissen zu suchen und vermeintliche Gewissheiten zu hinterfragen.

Offenheit für neue Perspektiven

Diese durchaus skeptische Haltung dem gegenüber, was zu erwarten ist und erwartet wird, seinen eigenen Weg zu gehen, selbst zu denken, prägte mein Leben schon früh. Ein besondere Glücksfall waren meine Erfahrungen mit Menschen aus anderen Kulturen, diese brachten mich dazu, über den Tellerrand zu schauen.

Während meines Schüleraustauschs in Galveston, Texas, lernte ich jüdische Freunde kennen, die mir trotz der Geschichte meines Heimatlandes freundlich begegneten. Diese Begegnungen bestärkten meinen Entschluss, den Kriegsdienst zu verweigern – eine Entscheidung, die in den Sechzigerjahren mitten im Kalten Krieg nicht selbstverständlich war. 

Diese Offenheit für neue Perspektiven begleitete mich auch auf meinem Weg als Unternehmer. Der Erfolg zeigte mir immer wieder, wie wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand zu schauen, um mit der Entwicklung des Marktes Schritt zu halten. Ja sogar voranzugehen.

Mein Interesse an unterschiedlichen Meinungen und Sichtweisen ließ mich schließlich auch die Energiewende kritisch hinterfragen.

Klarer Blick für Chancen

Meine damalige Nähe zur Friedensbewegung lässt mich noch heute sehr gut nachvollziehen, warum Atomkraftgegner allein die militärische Nutzung sehen. 

Aber diese Gefahr für Frieden und Wohlstand sollte uns nicht den Blick verstellen für den großen Nutzen, den Atomenergie in ihren neuesten Entwicklungsformen für uns haben kann.

Wenn Sie über den Tellerrand schauen und sich ein wenig von dem lösen, was an Haltung gegenüber Kernenergie erwartet wird, nämlich eine ablehnende Haltung, dann können Sie die Chancen klarer sehen.

Ich persönlich hatte und haben den Eindruck, dass wir uns in Deutschland gerade mit Blick auf die besten Formen der Energiegewinnung verrannt haben. Ich betrachtete die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit Skepsis.

Ich musste einfach verstehen, was es mit der Energiewende auf sich hat, warum mir daran so vieles unvernünftig vorkam – auch wenn ich emotional als Kind des Kalten Krieges die Ablehnung verstehen konnte.

Wie geht es Ihnen damit? Welche Entwicklungen mit Blick auf unseren Wohlstand und unser Wohlergehen sehen Sie skeptisch?

Ihr Wilfried Hahn

PS: Das Beispiel aus Taiwan stammt aus dem Buch „Radiation Hormesis and the Linear-No-Threshold Assumption“ von Charles L. Sanders, Springer  Verlag 2010.