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Neue Wirtschaftspolitik – von Richard A. Werner
Denkwerkstatt

Kredit, Energie und Realität – warum Richard Werner für die deutsche Kernenergie-Debatte zentral ist

Die deutsche Energiepolitik wird mit großer moralischer Ernsthaftigkeit geführt – aber mit erstaunlich wenig ökonomischer Nüchternheit. Ziele werden definiert, Jahreszahlen festgelegt, Technologien bevorzugt oder ausgeschlossen. Was dabei fast vollständig fehlt, ist der Blick auf den eigentlichen Träger all dieser Entscheidungen: den Kredit.

Genau hier setzt das Buch Neue Wirtschaftspolitik – Was Europa aus Japans Fehlern lernen kann von Richard A. Werner an, das ich Ihnen hier kurz vorstellen möchte..

Es ist kein Energiebuch im engeren Sinne – und doch erklärt es die strukturellen Schwächen der deutschen Energie- und insbesondere der Kernenergiepolitik präziser als viele energiepolitische Studien.

Werner erinnert an eine grundlegende, in der öffentlichen Debatte weitgehend verdrängte Tatsache: Geschäftsbanken verleihen nicht einfach vorhandenes Geld, sie schaffen neues Geld durch Kreditvergabe.

Werner macht plausibel: Energiepolitik ist immer auch Kreditpolitik. Windparks, Solaranlagen, Netze, Speicher, Reservekraftwerke, Rückbau funktionierender Infrastruktur – all das entsteht nicht durch politische Beschlüsse, sondern durch Kreditentscheidungen.

Der zentrale analytische Schlüssel bei Werner ist die Unterscheidung zwischen produktivem und unproduktivem Kredit.

Überträgt man diese Logik auf die Energiepolitik, wird der Kern des Problems sichtbar.

Ein großer Teil der heutigen Energiewende basiert auf kreditintensiven Technologien mit geringer Energiedichte, hoher Volatilität und erheblichen Systemkosten. Netzausbau, Speicher, Backup-Strukturen und permanente Nachinvestitionen sind keine Begleiterscheinungen, sondern integraler Bestandteil. Sie erzeugen Investitionsvolumen, aber nicht automatisch Produktivität. Der Kredit fließt – doch er arbeitet nicht für langfristigen Wohlstand.

In diesem Licht erscheint die deutsche Ablehnung der Kernenergie in einem neuen, wie ich denke, und Ihnen nahe legen möchte, erhellenden Licht.

Eine Gesellschaft, die Kredit falsch lenkt, verliert zuerst Produktivität, dann Industrie und schließlich politische Handlungsfähigkeit.

Deutschlands Energieproblem ist kein Geldproblem. Es ist ein Kreditproblem. Eine interessante Perspektive. Ein empfehlenswertes Buch.

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